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Die Polen und die freie Marktwirtschaft...
Donnerstag, 22. April 2010
In der vergangenen Woche habe ich auf meiner Balkan-Reise einen Minister der serbischen Regierung getroffen, der - so stellte sich raus - in den 90er Jahren für Balcerowicz in Polen gearbeitet hat. Leszek Balcerowicz war der Vater der "Schocktherapie" bei der Umstellung der polnischen Plan- auf die Marktwirtschaft. Das Mitglied der serbischen Regierung berichtete nun, wie er damals in Warschau dabei war, als die Aufhebung der Preisbindung den Leitern der staatseigenen Monopolagenturen mitgeteilt wurde. Beeindruckend genug, tatsächlich müssen sich dramatische Szenen abgespielt haben. Laut des serbischen Ministers seien die Spitzenfunktionäre schlichtweg in Tränen ausgebrochen als auf ihre Frage "Und wer legt die Preise fest, wenn nicht wir?" die Antwort folgte "der Markt." Weiter lesen Weiter lesen
 
Russisch...
Donnerstag, 15. April 2010
Während meines Besuches in Albanien in dieser Woche, berichtete ein seit langem in Albanien engagierter Deutscher von einer Begegnung in einem kleinen albanischen Dorf. Vor einigen Jahren kam er dort mit lokalen Albanern ins Gespräch, die ihn auf deutsch angesprochen hatten. Allerdings auf schwitzerdütsch mit starkem Akzent. Sie hatten einige Zeit in der Schweiz gearbeitet. Als er dann begann auch auf deutsch zu sprechen, bekam er allerdings doch Probleme. Der ungewohnte Klang eines nicht mit Schweizer Dialekt sprechenden Deutschen versetzte sie in die feste Meinung: sie haben es nicht mit einem Deutschen, sondern mit einem Ausländer zu tun. Weiter lesen Weiter lesen
 
Janukowitsch, Obama und Ashton...
Freitag, 19. März 2010
...vor einigen Wochen gab es eine große Debatte um die Absage von US-Präsident Obama für den EU-USA-Gipfel. Hintergrund war ein Protokollstreit innerhalb der EU, wer nun Obama die Hand schütteln dürfte. Eigentlich, so denke ich, wäre es eine tolle Gelegenheit für die neue "EU-Außenministerin" Catherine Ashton gewesen, den BürgerInnen Europas zu zeigen, dass nun sie die "Telefonnummer Europas" sein soll. Doch darauf konnten sich die eitlen Staats- und Regierungschefs nicht einigen. Am Ende stand die Absage Obamas.

Diese Woche gab es eine erstaunliche Meldung: Die Amtseinführung des neuen angeblich "pro-russischen" und im Westen nicht besonders geliebten neuen ukrainischen Präsidenten Janukowitsch finde in Anwesenheit von Frau Ashton statt...

Irgendwie habe ich aber trotzdem nicht das Gefühl, dass der Hintergrund war, dass die Staats- und Regierungschefs aus der Absage Obamas gelernt hätten... Weiter lesen Weiter lesen
 
Kommunikationskultur...
Mittwoch, 10. Februar 2010
...vor einigen Tagen habe ich am Rande des Plenarsaals mit meiner Mitarbeiterin per Handy an der Formulierung eines Pressetextes gewerkelt. Es fehlte uns beiden ein adäquates Wort, ein Begriff der besser passte als die bisherige Formulierung. Während meine Mitarbeiterin am anderen Ende den Thesaurus bemühte, hatte ich eine bessere Idee und habe einfach den Kollegen der Linkspartei der zufällig grade vorbeikam gefragt: "sag mal ein besseres Wort für ..." es wird sicherlich das letzte Mal sein, dass die Linke mir etwas in den Mund gelegt hat, aber seine spontane Antwort war einfach gut. Weiter lesen Weiter lesen
 
Estnisch...
Mittwoch, 3. Februar 2010
Gestern war ich zu Gast in Brüssel. Die grüne Europafraktion hatte zu einem Treffen mit Grünen aus allen EU-Ländern (family meeting) eingeladen. Thema: GREEN NEW DEAL. Solche Veranstaltungen sind immer spannend, nicht weil es immer ausgesprochen viel neues zu lernen gäbe, sondern weil man viel lernt über den Kontext von Debatten und die Ausgangslage in den verschiedenen Ländern.

Nun, auch ein Este war da und zu Beginn seiner Wortmeldung davon überzeugt, englisch reden zu müssen. Denn wo wird schon estnisch übersetzt? Als er auf die Übersetzungsmöglichkeit aus dem estnischen hingewiesen wurde, war er zunächst überrascht, zeigte sich dann hocherfreut und setze wieder an vorzutragen...auf englisch. Man mag vieles über das Sprachenregime in der EU denken, aber jede Muttersprache als vollwertig zu behandeln, das zeigt diese Episode, ist ein Ausdruck von Wertschätzung gegenüber allen Europäerinnen und Europäern, egal wie klein oder groß der Mitgliedsstaat ist. Weiter lesen Weiter lesen
 
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