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Der zweite Weltkrieg - Teil 1
Auch am 1. September 1939 schien die Sonne und es hätte ein schöner Tag werden können. Aber es geschah etwas Ungeheuerliches, das unser aller Leben schlagartig veränderte. Adolf Hitler hatte der Deutschen Wehrmacht befohlen Polen zu erobern. Der zweite Weltkrieg hatte begonnen und in Deutschland gingen die Lichter aus. Die Nachricht über den Krieg versetzte uns einen Schock, der langsam in Bestürzung überging. Jeder stellte sich die bange Frage: Was wird aus uns, wie wird dieser Krieg enden?

In dieser Stimmung hielt uns das Regime mit allerlei Anordnungen in Atem. Gegen Strafandrohung bei Nichtbefolgen mussten alle Fenster verdunkelt werden, damit kein Lichtschein nach außen dringt. Alle Straßenbeleuchtungen wurden abgeschaltet. Autos und Straßenbahnen hatten ihre Scheinwerfer so zu verdunkeln, dass nur noch ein schmaler Schlitz etwas Licht nach draußen lies. Fußgänger mussten Leuchtplaketten tragen, damit man sie bei Dunkelheit wahrnehmen konnte. Ab sofort konnte man weder Lebensmittel noch Kleidung oder andere Dinge des täglichen Bedarfs frei kaufen. Es gab alles nur noch auf Marken oder Bezugscheine und die waren streng rationiert. In jedem Haus musste ein Luftschutzraum im Keller eingerichtet werden, der bei Luftangriffen das Gefühl von Sicherheit vermitteln sollte. Es wurden Übungen abgehalten, wie man sich bei einem Luftangriff zu verhalten habe. Wie fürchterlich der Ernstfall werden sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt in der Bevölkerung noch niemand.

Im Radio jagte eine Siegesmeldung der Deutschen Wehrmacht die andere. Nach 14 Tagen war Polen besiegt und Hitler und Stalin teilten Polen unter sich auf. Aber damit war der Krieg noch lange nicht beendet, es war nur ein Zwischenspiel.

Auch in der Schule änderte sich viel. Die wehrfähigen Lehrer mussten zu den Soldaten. Unterrichtsausfall und die Zusammenlegung von Klassen waren die Folge. Als die Kartoffelernte begann, schickte man uns zum Ernteeinsatz. Wir kamen auf einen großen Bauernhof, der für uns eine ganz neue Welt darstellte. Geschlafen haben wir auf dem Heuboden und um 6.00 Uhr war Wecken. Gewaschen haben wir uns auf dem Hof an einer Pumpe. Da ging es lautstark zu und wenn mal einer mit dem Wasser sparte, weil es ihm zu kalt war, halfen ihm gleich mehrere, damit er auch richtig sauber wurde. Anschließend gab es ein kräftiges Frühstück, dann ging es ab zum Kartoffelacker. Dabei war es noch nicht einmal richtig hell geworden. Ein Kartoffelroder, von zwei Pferden gezogen, holte die Kartoffeln aus dem Boden und verteilte sie auf etwa zwei Meter Breite. Jeder von uns Jungen hatte einen Drahtkorb, in den die Kartoffeln hineingesammelt wurden. Dabei war Tempo angesagt, denn das Sammeln musste dem Gang der Pferde angepasst werden. So ein mit Kartoffeln gefüllter Drahtkorb war für uns unheimlich schwer und wir hatten Mühe, den Korb in einen Sack zu entleeren. Die Kreuzschmerzen ließen nicht lange auf sich warten, denn für uns Stadtkinder war es doch eine recht ungewohnte und recht anstrengende Arbeit. Wenn dann die Magd mit dem Korb voller Vesperbrote und Muckefuck, ein kaffeeähnliches Gebräu von gerösteter Gerste, kam, wurde sie mit lautem Hallo begrüßt. Dann bereiteten wir aus Kartoffelsäcken ein Lager und ließen uns die leckeren Brote schmecken. Hinterher fiel uns die Arbeit dann nicht mehr so schwer, denn dann dachten wir schon an die Mittagspause, zu der wir auf den Hof zurückkehrten.

Nach der Mittagspause ging es wieder hinaus aufs Feld. Auch bei Regenwetter durfte die Arbeit nicht ruhen, die Ernte musste dringend eingeholt werden.

Sonntags war es auf dem Lande doch recht langweilig und so suchten wir nach einer Abwechslung. Einer von uns entdeckte, dass im Schweinestall die Ratten ihr Unwesen trieben. Denen wollten wir zu Leibe rücken. Wir suchten uns kräftige Stöcke, besorgten uns lange Nägel und machten daraus Spiesse. Dann verteilten wir uns im Schweinestall entlang der Jaucherinne. Auf ein Kommando wurde die Abdeckung hochgerissen und auf die überraschten Ratten eingestochen. Viele konnten entkommen, aber wir haben auch viele erwischt. Dieses Spielchen haben wir nach einigen Stunden wiederholt und machten wieder gute Beute. Der Bauer war hoch erfreut darüber, dass wir so viele Nager erwischt hatten, denn sie richteten doch erheblichen Schaden an.

Die Bauersleute haben uns gut versorgt und als die Kartoffelernte vorüber war, gaben sie uns außer unserem Taschengeld soviel Obst mit nach Hause, wie wir tragen konnten. Außerdem bot man uns an, dass wir uns noch mehr Obst holen könnten.


 
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