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Der zweite Weltkrieg - Teil 4
Da gab es in unserer Straße ein Mädchen, dass mich immer auffällig musterte. Da ich sie auch nett fand, sprach ich sie an. Bald darauf lud ich sie zu einem Kinobesuch ein. Als ich sie zu Hause abholen wollte, bat sie mich herein zu kommen, ihre Eltern wollten gerne sehen, mit wem sie ins Kino geht. Die Eltern waren sehr freundlich und aufgeschlossen und fragten mich während der Unterhaltung geschickt aus. Dann wurde es Zeit zu gehen und ihr Vater meinte, ich solle mein karges Taschengeld sparen und gab mir für uns beide das Kinogeld. Glücklich zogen wir los und hielten im Kino zaghaft Händchen. Pünktlich lieferte ich die Tochter bei ihren Eltern wieder ab.

Auch mein Freund hatte in dieser Zeit eine Freundin und kam eines Tages mit der Neuigkeit, dass ihre Familie nach Hamburg zieht. Die neue Adresse hatte er sich schon geben lassen. Nachdem sie schon eine Weile fort war, kamen wir auf die Idee, sie an einem Sonntag zu besuchen.

Gesagt, getan, am nächsten Sonntag fuhren wir eine Stunde mit der Straßenbahn nach Hamburg und tauchten bei der ehemaligen Freundin auf. Als wir an der Wohnungstür klingelten, öffnete der Vater, der uns ganz verwundert ansah. Wir stellten uns als Freunde seiner Tochter aus Harburg vor, die sie einmal besuchen wollten. Der Vater fand das einfach toll und bat uns herein. Die Tochter war freudig überrascht als sie uns sah. Es gab viel zu erzählen und die Unterhaltung war sehr angeregt. Nach einer Weile bat uns der Vater , doch zur nächsten Gastwirtschaft zu gehen und drei halbe Liter Bier für uns zu holen. Für uns war es das erste Bier in unserem Leben und wir kamen uns richtig männlich vor. Allerdings mussten wir uns mächtig anstrengen, um die Wirkung zu verbergen.

Wenn im Herbst die Theatersaison begann, waren wir eifrige Besucher. Harburg hatte ein kleines aber feines Theater mit einem breitgefächerten Repertoire, an dem viele bekannte Künstler ihre Karriere begannen. Die unzertrennlichen Freunde hatten ihre Plätze Rang Mitte, erste Reihe. So konnten wir nicht nur die Bühne gut sehen, sondern hatten auch fast über das ganze Parkett die beste Übersicht. Wir kamen immer sehr früh und konnten dann die hereinkommenden Besucher mustern.

Dabei interessierten uns vor allem die Mädchen unseres Alters. Wenn uns ein Mädchen gefiel, verständigten wir uns und sprachen die junge Dame in der Pause im Foyer an. Nachdem wir uns vorgestellt hatten, wurde ein bisschen Konversation gemacht und fragten zum Schluss der Pause die erwachsene Begleitung, ob wir das Mädchen nach der Vorstellung nach Hause begleiten dürften. Wir haben nie eine Absage erhalten, was für uns die Bestätigung für unser korrektes Verhalten war. Eine richtige Freundschaft ist daraus nie entstanden, aber es hat uns stets riesigen Spaß gemacht. Mit diesen netten Abwechslungen bauten wir uns eine kleine Welt der Normalität auf und konnten so für einige Stunden die ständige Bedrohung durch den Krieg vergessen.

Doch wir sollten bald mit aller Brutalität aus unseren Träumen der Normalität durch eine Schreckensmeldung herausgerissen werden. Es war der 22. Juni 1941 als uns die Sondermeldung erreichte, dass die Deutsche Wehrmacht in breiter Front in Russland einmarschiert ist. Mein Vater sagte sofort: "Diesen Krieg werden wir verlieren und das wird das Ende Hitlers sein. Uns steht Schlimmes bevor und es ist fraglich, ob wir diesen Krieg überleben werden."

Um den Wahnsinn komplett zu machen, erklärte Deutschland im Dezember den USA den Krieg. Nun wurde die Luftflotte Großbritanniens durch amerikanische Verbände verstärkt und damit begannen auch die Flächenbombardements der deutschen Städte.

Und im russischen Winter blieb die deutsche Offensive stecken. Unsere bedauernswerten Soldaten hatten in der klirrende Kälte nicht einmal Winterkleidung zur Verfügung. Selbst wintertaugliches Kriegsmaterial gab es nicht, es war ein Fiasko.

In der Heimat lief ein verzweifeltes Hilfsprogramm an. Wer warme Kleidung entbehren konnte, lieferte sie bei den Sammelstellen ab. Viele Frauen opferten ihre Pelzmäntel in der Hoffnung, dass sie bei den Soldaten ankommen würden.
Die Kriegswinter waren besonders streng und lang. Heizmaterial war sehr knapp und neben dem wenigen Essen mussten wir auch noch in den Wohnungen frieren. Von der HJ wurden wir dazu eingeteilt, alten Menschen zu helfen und ihnen ihre knappe Zuteilung an Kohlen ins Haus zu bringen. Es lag Schnee und wir hatten alle Schlitten, so dass sich für uns kein Problem mit dem Transport ergab. Die alten Menschen waren uns unendlich dankbar für die Hilfe.

Auf einer solchen Tour in der Villengegend betraten zwei Mädchen in unserem Alter einen Balkon, als wir gerade dort vorbei kamen. Mein Freund und ich schauten uns nur an und luden sie sofort zu einer Schlittenfahrt im nahe gelegenen Wald ein. Die Antwort war: "Unsere Eltern lassen das nicht zu!" "Keine Angst, das regeln wir schon", war unsere Antwort. Wir gingen zur Haustür und klingelten. Ein Herr öffnete die Tür und sah uns verwundert an. Wir stellten uns artig vor und fragten, ob wir die beiden Töchter zu einer Schlittenfahrt abholen dürften, wenn wir die Kohlen bei den alten Leuten abgeliefert hätten. Der Vater der beiden Mädchen war offensichtlich amüsiert über unsere Art und bat uns erst einmal in sein Haus. Dann wurden wir der Mutter und den beiden Mädchen vorgestellt. Die Töchter durften mit uns Schlitten fahren, wir sollten sie nur vor Eintritt der Dunkelheit wieder nach Hause bringen. Es wurde eine fröhliche Schlittenpartie, die wir am nächsten Sonntag wiederholten.

Inzwischen wurden die Zuteilungen an Lebensmitteln weiter reduziert, so dass ich fast permanent unter Hunger litt. Trotzdem habe ich aber in der Firma und im Verein Sport betrieben. Meine Disziplin war Laufen, Mittel-und Langstrecken, und ich war auch einigermaßen erfolgreich. Ich trug eine ganze Reihe von Urkunden und Buchpreisen nach Hause. Alles ging später durch Kriegseinwirkungen verloren.

 
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