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Die Großeltern - Teil 2
Die Großeltern väterlicherseits stammten aus Westpreußen. Sie kamen aus dem Kreis Tuchel, in der Nähe von Gnesen, heute Gnenin. Oma Maria war Polin, eine geborene Napiatek. Zu ihr habe ich nie ein herzliches Verhältnis gehabt. Dafür gab sie immer meiner Mutter die Schuld. Aber meine Mutter hat sich nie in meiner Gegenwart schlecht über sie geäußert. Ich mochte ihre dunkle Kleidung nicht, die sie leider nicht sauber hielt. Auch ging von ihr kein anziehender Duft aus. Deshalb war mir ihre körperliche Nähe nicht angenehm. Ich war noch recht klein, als sie mich einmal auf den Arm nehmen wollte, doch ich befreite mich mir den Worten, "Geh weg, du stinkst". Das hat sie mir recht übel genommen. Von da an hatten wir ein gestörtes Verhältnis zueinander.

Aber auch zum Großvater war ihr Verhältnis nicht das Beste. Die beiden stritten sich häufig und Opa sagte dann in seiner westpreußischen Mundart zu ihr, "Du bist ein Deibel", und das konnte sie auch sein. Da das Geld knapp war, wurde auch entsprechend gekocht. Wenn es dann einmal zu einem Stück Fleisch reichte, nahm sie sich stets den größeren Teil. Prompt protestierte Opa ."Du Deibel hast dir schon wieder das größte Stück Fleisch genommen". Die Antwort war immer gleich: das sind alles nur Knochen. Zum Beweis schlug sie mit dem Messerrücken auf einen kleinen Knochen, damit es jeder hören sollte. Ich fand das alles sehr amüsant. Man sah ihr aber auch an, dass sie dem Essen sehr zugetan war, denn sie hatte einen ganz ansehnlichen Umfang.

Ganz anders Opa Johann. Er war schlank und sehr behände, und er legte großen Wert auf eine gute äußere Erscheinung. So trug er einen Oberlippenbart, war aber sonst immer frisch rasiert. Im Winter trug er immer einen Mantel mit einem großen Pelzkragen, nach Manier der Gutsherren. Obwohl nicht groß von Statur, machte er doch eine gute Figur und unterstrich seine Erscheinung mit einem schönen Spazierstock. In seiner Heimat arbeitete er auf einem Gut als Gärtner und gehörte damit zu den Gutsbeamten.

Dadurch hatte die Familie eine Reihe von Privilegien. Sie bewohnte eine gutseigene Wohnung, für die das nötige Brennholz vom Gut gestellt wurde. Einmal im Jahr gab es, zum Abstreuen des Lehmfußbodens, frischen weißen Sand. Sie konnten sich auch eine Kuh halten und sie im Stall des Gutes unterstellen. Hier wurde sie vom Schweizer mit versorgt. Im Herbst gab es mehrere Zentner Kartoffeln als Deputat. Es war auch gestattet, sich am Haus Schweine zu halten, die der Opa dann zum Winter schlachtete.

Es hätte also alles gut sein können, doch mein Vater erzählte mir, dass sie oft im Winter durch die Faulheit und Gleichgültigkeit seiner Mutter nicht satt zu essen hatten. So wurde in der Regel der überwiegende Teil des Fleisches aus der Eigenschlachtung durch Räuchern haltbar gemacht. Doch es kam nicht selten vor, dass die Großmutter das Fleisch erst dann aus der Pökellauge zum Räuchern holen wollte, wenn es schon verdorben war. Dann gab es nur Fleisch, wenn Opa Johann beim Wildern einen Hasen oder ein Kaninchen erwischt hatte. Oder es wurde in den riesigen Teichen des Gutsherrn heimlich gefischt. Nur so konnten sie den Winter überstehen.

Als der erste Weltkrieg begann sollte Opa Soldat werden, was ihm aber überhaupt nicht behagte. So sann er darüber nach, wie er es verhindern konnte und kam auf die Idee, sich Pfeffer in das rechte Auge zu streuen. Die Folge war, dass er auf diesem Auge einen Großteil seiner Sehkraft einbüßte und ständig ein tränendes Auge hatte. Aber er wurde vorläufig auch nicht eingezogen. Später haben sie ihn dann doch noch geholt, allerdings nur zum Landsturm, wo er Gefangene bewachen musste. So hat er den Krieg gut überstanden.
 
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