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Die Großeltern - Teil 4
Aber es gibt aus der Zeit noch ein gutes Beispiel der erlernten Selbstverteidigung. Tante Lene und Onkel August wohnten bei uns gleich um die Ecke in einer Querstrasse. Dort war ich häufig zu Besuch und war dort gern gesehen. Onkel August musste wegen eines Unfalls ins Krankenhaus und ich hatte ihn lange nicht gesehen. Eines Tages kam ich bei uns aus der Haustür, als der Onkel, auf lange Krücken gestützt, auf der anderen Straßenseite um die Ecke bog. Hoch erfreut über das Wiedersehen lief ich, ohne auf ein herannahendes Auto zu achten, über die Straße, um den Onkel zu begrüßen. Obwohl mir nichts passierte, hat er sich so erschrocken, dass er seine Krücken zur Seite legte, mich übers Knie zog und mir was auf den Hintern haute. Aber so unbedacht handelte er auch nur, weil er von Opas Belehrungen über Selbstverteidigung keine Ahnung hatte. Und so war er völlig überrascht, dass ich, als er mich losgelassen hatte, eine Krücke ergriff und ihm damit übers Kreuz schlug.

Das sollte Folgen haben, denn jetzt wurde der Familienrat einberufen. Ich musste genau erzählen, wie es zu dieser Untat gekommen war und habe dabei auch von Opas Belehrung über Selbstverteidigung berichtet. Danach bekamen wir beide eine Standpauke zu hören.

Meine Cousine Erna, eine Tochter von Onkel August, hatte an mir einen Narren gefressen und hat sich köstlich über meinen Husarenstreich amüsiert. Ich erwiderte die Zuneigung Ernas und wollte sie später, wenn ich groß war, heiraten, wenn sie auf mich warten würde. Sie versprach es und heiratete ein Jahr später einen anderen. Aber sie hat immer betont, ich sei ihr Freund und nannte mich fortan Freund.

Erna gefiel mir besonders gut, denn sie hatte schwarze Haare und schöne braune Augen, und deshalb war ich gerne ihr Freund. Die anderen Cousinen und Cousins gebrauchten dann auch diesen Spitznamen. Bei den ausgedehnten Spaziergängen mit Opa kamen wir an vielen Bauernhöfen vorbei. Vor den meisten dieser schönen Häuser standen Obstbäume, die sehr oft kaum Früchte trugen, weil sie nicht fachgerecht geschnitten waren. Darüber hat Opa sich immer aufgeregt. Er ging dann zu den Besitzern und erzählte den Bauern, dass ein richtig beschnittener Obstbaum eine gute Ernte versprach. Er sei Gärtner und verstehe etwas davon und würde die Bäume im Herbst für ein geringes Entgelt richtig schneiden.

Meistens bekam er den Auftrag und verdiente sich so einige Groschen nebenbei für seinen Tabak. Wenn er dann im Herbst in die Bäume stieg, brauchte er plötzlich keinen Handstock mehr. Bei solchen Gelegenheiten erzählte er den Bauern, dass er von Beruf auch Schlachter sei und gerne Hausschlachtungen durchführe. Auch zum Schlachten bekam er so manchen Auftrag. Auf diese Weise bekamen wir im Herbst oft Obst und im Winter ein gutes Stück Fleisch aus der Hausschlachtung.

Wenn wir von unseren Touren zurück kamen, bereitete uns Opa immer etwas zu essen. Jeder bekam eine Essschüssel vorgesetzt, dann wurde etwas Brot hereingebrockt, darüber Zucker gestreut und schließlich alles mit Milch übergossen. Ich habe das sehr gerne gegessen. Wenn es aber saure Suppkartoffeln gab - dieses Essen kannte er aus seiner Heimat -, war mein Hunger vorher gestillt. Dann habe ich lieber gar nichts gegessen. Dieses "Gericht" bestand aus Salzkartoffeln, die in eine Schüssel kamen und mit Buttermilch übergossen wurden. Opa hat sich dann immer noch Zwiebeln über die Kartoffeln geschnitten. Bei seinen kargen Mahlzeiten blieb er immer schlank und krank habe ich ihn nie erlebt. Aber er hat auch immer viel Tee getrunken, den er selber gesammelt und zusammengestellt hat. Sobald die Linden und andere Bäume und Kräuter blühten, zog er los um zu ernten. Überall wurden dann Kräuter getrocknet. Auf den Fensterbänken, den Schränken und unter den Betten lagen Zeitungen, auf denen die Kräuter trockneten. Es duftete in der Wohnung überall nach frischen Kräutern. Später wurden dann einige Sorten gemischt und fein säuberlich in Dosen gefüllt. Der Tee reichte fast bis zur nächsten Ernte, hat keinen Pfennig gekostet und war auch noch sehr gesund. Ich trank am liebsten Pfefferminztee, aber mit Zucker.
 
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