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| Die Kinderjahre - Teil 3 |
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Die ganze Aktion erfolgte in der Dunkelheit, damit der Umzug nicht von den falschen Leuten entdeckt und Vater doch noch verhaftet wird. So wurden viele Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Es waren nur meine Mutter und ich, die in der neuen Behausung polizeilich gemeldet waren, während Vater noch seinen offiziellen Wohnsitz bei den Großeltern hatte. Zu erreichen war er dort nie. Vater schlief meistens bei uns, zur Sicherheit gab es in der Laube keine persönlichen Dinge von ihm, außer seinen derzeitigen Kleidungsstücken. Sie befanden sich alle außerhalb der Laube in einem Versteck. Wie wichtig diese Vorsichtsmaßnahme war und wie berechtigt die Sorge der Eltern, sollte sich bald zeigen. Eines Nachts hörte mein Vater schwere Schritte auf dem Hauptweg, der zu unserer Laube führte. Er sprang aus dem Bett, zog blitzschnell seine Hose und Jacke an und entwischte durch ein Fenster in den Garten unseres Nachbarn und verschwand im Dunkel der Nacht. Es wurde aber auch allerhöchste Zeit, denn schon wurde mit harten Gegenständen gegen die Tür gehämmert und gerufen, "Sofort Aufmachen". Meine Mutter eilte im Nachthemd an die Tür und öffnete. Sie wurde von SA-Männern zur Seite gestoßen und schon stürmten sie mit Gewehren in der Hand in den Raum. Als sie nur meine Mutter und mich sahen, schrieen sie meine Mutter an, "Wo ist dein Mann?". "Ich weiß es nicht", antwortete sie, doch sie gaben sich nicht damit zufrieden, nahmen eine drohende Haltung ein und wiederholten ihre Frage. Ich dachte, jetzt erschießen sie meine Mutter, und ich fing fürchterlich zu weinen an. Erst dann traten sie den Rückzug an, nicht ohne meiner Mutter vorher zu drohen: "Wir kriegen ihn noch!". Glücklicherweise sind sie nicht mehr wiedergekommen, aber wir lebten in ständiger Angst und konnten keine Nacht mehr ruhig schlafen So langsam wurde es Frühling und Vater begann im Garten Beete anzulegen und Saat einzubringen. Zuerst wollte ich helfen, aber dann war mir die Sache doch zu langweilig und ich strolchte in der Gegend herum. Eines Tages hatte sich Vater vom Nachbarn einen Handwagen geliehen. Damit wollten wir Holz aus dem Wald holen, denn Vater wollte für uns endlich eine Toilette bauen. Der Platz dafür war schon ausgesucht. Also ging es morgens los, um in ein Gehölz zu fahren, das etwa 8 km entfernt war. Ich saß auf dem Wagen und Vater musste mich ziehen. Dann wollte ich den Vater ziehen. Nach kurzer Strecke gab ich auf, es war mir doch zu schwer, ich lief lieber nebenher. Aber dann hatte die Straße plötzlich Gefälle. Wir setzten uns beide auf den Wagen, und der Vater nahm die Deichsel zwischen beide Beine, damit er lenken konnte. Das war für mich ein Riesenspaß, als sich der Wagen langsam in Bewegung setzte. Aber die Geschwindigkeit nahm immer mehr zu und ich merkte, dass es immer schwieriger wurde den Wagen zu lenken. Langsam bekam ich Angst und klammerte mich immer fester an den Wagen. Doch dann hörte das Gefälle auf und der Wagen rollte langsam aus, was von meinem Vater mit einem Seufzer der Erleichterung quittiert wurde. Wir erreichten bald den kleinen Wald, gingen zum Förster und holten uns einen Holzsammelschein. Wir suchten uns armdicke Stämme und luden damit den Wagen voll. Der Heimweg war doch um einiges schwerer. Besonders die Steigung, die wir vorhin so schön hinuntergefahren waren, machte uns jetzt ganz schön zu schaffen. Ich schob, bis mir die Puste ausging, aber nach einer kurzen Pause ging es dann wieder gut. Zu Hause wurde dann noch schnell abgeladen. Am nächsten Tag wurde dann fleißig gezimmert und am Abend war das Häuschen fertig. Es war kein Prachtstück, zwar pfiff der Wind durch die Ritzen, aber so wurde ständig gut gelüftet. An einem schönen Frühlingsmorgen brachte Vater ein Kätzchen mit. Es war ein Kater und wir tauften ihn auf den Namen Jan. Er fühlte sich bei uns wohl und wuchs schnell zu einem fleissigen Mäusefänger heran. Stets legte er uns seine Beute vor die Tür der Laube, damit wir ihn auch tüchtig loben konnten. Einmal beobachtete ich, wie ein Maulwurfshügel aufgeworfen wurde. Auch Jan hatte dieses beobachtet und sprang mit einem gewaltigen Satz auf den Hügel, wühlte wie wild in der Erde und zerrte den Maulwurf heraus. Auch diese Beute landete später vor der Tür. |
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