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Die Kommisszeit - Teil 3
Nach zehn Tagen rückten wir wieder in die Kaserne ein. Unsere Rekrutenzeit ging ihrem Ende entgegen. Deshalb mussten wir uns einer Eignungsprüfung unterziehen, um festzustellen, für welche Laufbahn wir uns eignen. Ich schaffte die Qualifikation für die Steuermannslaufbahn und hoffte, wenigstens das Patent auf kleine Fahrt zu erreichen. Dann hätte ich einen zweiten Beruf gehabt.

Im Juli 1944 wurde ich zur Navigationsschule nach Libau in Lettland abkommandiert. Nach einem Zwischenstop in Berlin kam ich am 22. Juli in Memel an und musste dort übernachten. Ab Memel gab es die breitere Eisenbahnspur nach dem russischen Mass und der passende Zug sollte erst am nächsten Morgen kommen.

Beim Abendessen unserer kargen Ration kam aus dem Radio plötzlich eine Sondermeldung. Es hatte ein Attentat auf unseren "geliebten Führer" Adolf Hitler gegeben. Leider war er nur verwundet worden. Nach dieser Meldung herrschte betretenes Schweigen im Raum. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach, während von draußen das Grummeln von fernem Geschützfeuer zu hören war und das Mündungsfeuer die Nacht gespenstisch erleuchtete. Auf Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht wurde bei den deutschen Streitkräften aufgrund des Anschlags auf Hitler sofort der militärische Gruß abgeschafft und durch den Hitlergruß ersetzt. Eine reine Ergebenheitsadresse der Generalität an Hitler. Allerdings hatten die Offiziere der Marine so ihre Schwierigkeiten mit diesem Befehl und es dauerte eine Weile, bis sie ihn befolgten.

Am anderen Morgen ging es in einem Güterwagen weiter. Der Zug erreichte sein Ziel am Nachmittag. Die Navigationsschule lag außerhalb von Libau direkt an der Ostseeküste und bestand nur aus einem großen Barackenlager. Ich war nicht wenig erstaunt, als ich in dem Wachposten vor dem Haupttor meinen ehemaligen Lehrkollegen Hänschen P. erkannte. Er war vor mir eingezogen worden, denn er hatte als einziger unseres Jahrgangs die Prüfung nicht bestanden und auf die Wiederholung nach einem halben Jahr verzichtet.

Die Lage dieser Schule hatte eine positive Seite, denn wir brauchten nach Dienstschluß nur wenige Schritte zu gehen und waren schon am Ostseestrand. Das Wasser war hier glasklar und lud unwiderstehlich zum Baden ein. Das haben wir auch reichlich ausgenutzt.

Sofort einen Tag nach unserer Ankunft begann die Fachausbildung an den nautischen Geräten, im Signaldienst und anderes mehr. Leider hat mich auch hier der Bootsmann zu seinem Aufklarer gemacht. Doch auch er sollte keine Freude an mir haben.

Inzwischen rückte die Front immer näher, Riga wurde bereits von den deutschen Truppen geräumt und für uns gab es immer mehr Alarmeinsätze. Dann wurden wir mit Lastwagen an die Front gefahren und dort eingesetzt, wo die Russen durchgebrochen waren. Schließlich mussten wir die Schule verlassen und eine Auffangstellung beziehen. Sie lag in einem Wald unweit der Schule.

Ich war immer noch Aufklarer und mein Unteroffizier schickte mich mit dem Fahrrad zurück zur Schule um seine Wäsche zu waschen. Meine Wäsche war aber auch schmutzig und so wusch ich erst einmal meine Wäsche. Die aufgehängte Wäsche konnte ich nicht allein lassen, ich hätte sie sonst wohl nicht mehr wiedergesehen. Also blieb die Wäsche des Vorgesetzten ungewaschen. Es wurde schon dunkel, als die Wäsche endlich trocken war. Ich wollte gerade zurück in die Stellung fahren, als mein Unteroffizier auftauchte. Sicherlich hat er gedacht, ich hätte mich aus dem Staub gemacht. Als er sah, dass seine Wäsche nicht gewaschen war, gab es ein gewaltiges Donnerwetter. Zur Strafe war ich ab sofort kein Aufklarer mehr. Der Tag war also für mich sehr erfolgreich verlaufen.

Unsere Lage wurde immer bedrohlicher, denn inzwischen war das Kurland fast völlig eingeschlossen und die Russen zogen den Ring immer enger. Eines schönen Tages, im Oktober 1944, kam der Befehl, an Bord eines Ausbildungsschiffes unserer Schule zu gehen, das im Hafen von Libau lag. Das Schiff wurde mit Nachrichtenhelferinnen, Rekruten und Angehörigen der Navigationsschule vollgestopft. An Bord wurde ich zur Wache im Kartenhaus von 0.00 bis 4.00 Uhr eingeteilt.

Kurz nach Mitternacht verließ das Schiff mit gelöschten Lichtern den Hafen. Soweit es ging liefen wir hart unter Land, um feindlichen U-Booten kein Ziel zu bieten. Doch dann gab es nach etwa drei Stunden U-Boot-Alarm. Der stellte sich aber als Fehlalarm heraus, denn was wir gesichtet hatten, war eine ausgebrannte Stufe einer V 1 Versuchsrakete. Trotzdem wurde es für uns noch gefährlich, denn der Kapitän befahl die Bergung des Raketenteiles, und dazu musste das Schiff gestoppt werden. Der seemännischen Crew gelang aber eine schnelle Bergung ohne Zwischenfall, so dass wir schnell wieder Fahrt aufnehmen konnten.


 
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