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| Die Schulzeit - Teil 3 |
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Meine Eltern unternahmen alle Anstrengungen, um zu einer eigenen Wohnung zu kommen. Es gab auch immer wieder Angebote, aber sie waren meiner Mutter stets zu teuer. Doch im Sommer 1936 klappte es dann endlich. In einem anderen Stadtteil bezogen wir eine Miniwohnung, bestehend aus einer Wohnküche, einem Schlafzimmer, einem winzigen Flur und einer Toilette. Der Eingang ging von einem Torweg aus und die Folge war, dass in der Wohnung dauernd Zugluft vorherrschte. Im Winter fror uns durch die ungünstige Lage in der Toilette ständig die Wasserleitung ein, denn der einzige Raum, der beheizt werden konnte, war die Küche. Warm war es aber nur in unmittelbarer Nähe des Küchenherdes, obwohl Eingangs- und Küchentür durch Wolldecken zugehängt waren. Durch den Umzug musste ich auch wieder in eine andere Schule. Innerhalb von vier Jahren war dieses nun die fünfte Schule für mich. Ich weiß heute noch nicht, wie ich das verkraftet habe. Auch wenn ich langsam Übung bekam, war es doch sehr schwer für mich. Wieder andere Lehrer, andere Mitschüler, wieder der Neue, wieder ein anderer Stand im Lehrstoff. Doch am Ende eines Schuljahres reichte es immer zu einer Versetzung. Inzwischen hatte mein Vater seinen Arbeitsplatz gewechselt und war von der Werft zu seinem ehemaligen Lehrbetrieb zurückgekehrt. Jetzt lag seine Arbeitsstelle quasi direkt vor der Haustür und er kam nicht mehr so spät nach Hause. Eines Tages brachte Vater ein Paket mit nach Hause, und wir waren alle gespannt auf den Inhalt. Als das Auspacken begann, standen wir alle um den Küchentisch herum. Zum Vorschein kam ein Radio, ein grosser "Volksempfänger", der mit einer Antenne versehen etliche Sender, auch aus dem Ausland, empfing. Jetzt war ständig Musik im Haus, das war ein ganz neues, aber schönes Lebensgefühl. Zur Freude meines Vaters sah er mich hier auch nicht mehr in der verhassten Uniform, denn ich hatte wohl bei dem Umzug eine Überweisung mitbekommen, damit ich mich bei der zuständigen Jungvolkeinheit anmelden konnte, hatte mich aber nicht gemeldet. Ab 1937 gab es auch im zivilen Bereich erste Anzeichen dafür, dass die Nazis den Krieg vorbereiteten. Um Butter und Margarine in gewohnten Menge wöchentlich zu erhalten, mussten die Haushalte ihren Bedarf bei einem Lebensmittelhändler anmelden, der dann auch die gemeldete Menge lieferte. Kurze Zeit darauf gab es für Familien mit Kindern und einer festgelegten Einkommensgrenze, zum Kauf von Margarine Lebensmittelkarten, die den Kauf der angemeldeten Menge zu einem Vorzugspreis sicherten. Diese Maßnahme war die Generalprobe für die Mindestversorgung der Bevölkerung im Kriegsfall. Es gab aber auch erfreulichere Dinge. Im September 1937 wurde eine Klassenfahrt zur Insel Helgoland zu meinem schönsten Erlebnis. Meine Teilnahme war lange Zeit in Frage gestellt, denn die Fahrtkosten von RM 12.00 waren für meine Eltern eine sehr große Hürde. Ich brauchte ja auch noch Taschengeld. Nach einer Intervention meines Klassenlehrers haben meine Eltern dann doch einen Weg gefunden und die Seereise mit dem Dampfschiff "Königin Luise" konnte starten. Wir waren alle sehr aufgeregt, als wir von den St. Pauli Landungsbrücken an Bord des schönen Schiffes gingen. Zuerst wurde ein guter Platz auf dem Promenadendeck gesucht, denn hier hatten wir schönen Sonnenschein. Anschließend haben wir uns dann das Schiff von oben bis unten angesehen. Dann hieß es: Leinen los. Langsam entschwand achterraus Hamburg unseren Blicken. Eine leichte Brise brachte das Schiff in sanftes Schaukeln, und in Höhe Glückstadt stürmten die ersten Schüler zum Opfergang an die Reling. Nach einer endlos scheinenden Fahrt kam Helgoland in Sicht und bald lag die "Königin Luise" auf Reede vor Anker. Wir mussten in die Boote der Fischer steigen, die uns dann zur Insel brachten. Auf dem Rundgang bestaunten wir die steil ins Meer abfallenden roten Felsen, in denen endlos viele Möwen nisteten, deren Geschrei vom Wind zu uns herauf auf die Klippen getragen wurde. Es war wunderschön von hier oben übers Meer zu schauen und nach Schiffen Ausschau zu halten, während der Wind uns das Haar zerzauste und die Luft salzig auf den Lippen schmeckte. Die Insel hatte es mir angetan und es zog mich später immer wieder zu ihr hin. Leider war unsere Zeit begrenzt und wir mussten uns langsam auf den Rückweg machen, denn viele von uns wollten noch Schokolade zollfrei einkaufen. Ich hatte den größten Teil meines Geldes bereits auf dem Schiff ausgegeben. Der Rest reichte gerade noch für eine riesige Tafel Schokolade. Diese musste dann für den Rest des Tages als Verpflegung reichen. Dann ging es auch bald wieder auf die Rückfahrt. Als unser Schiff den Hamburger Hafen erreichte, war es bereits dunkel geworden. Als es festgemacht hatte, war es schon 22.00 Uhr. Aber im Hafen herrschte noch reger Betrieb. Viele Lichter spiegelten sich im Wasser, während von den Werften die Niethammer zu uns herüber dröhnten. Der Lehrer versammelte die Schüler um sich, um mit ihnen mit der U-Bahn oder der Straßenbahn nach Hause zu fahren. Aber ich hatte kein Fahrgeld mehr und musste zu Fuß nach Hause gehen. Zuerst musste ich durch den Elbtunnel zur anderen Seite der Elbe und dann quer durch den Freihafen. Für mich war das kein Problem, denn durch die vielen Touren mit Opa Johann kannte ich mich gut aus und fand auch im Dunkeln meinen Weg. Kurz vor Mitternacht war ich zu Hause und wurde von meinen Eltern schon ungeduldig erwartet. Sie fielen aus allen Wolken, als ich ihnen von meinem Marsch durch den Hafen erzählte, aber ohne Geld ging es ja nicht anders. |
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